Workshop 03

Aus Raspberry Pi Workshop
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Dual-Stack Ansatz und IPv6

Das Dual-Stack-Verfahren ermöglicht die parallele Nutzung von IPv4 und IPv6 auf einem Gerät oder Netzwerk. Dies ist besonders wichtig während der Übergangsphase von IPv4 zu IPv6, da nicht alle Systeme und Netzwerke sofort auf das neue Protokoll umgestellt werden können.

Ein Gerät oder Server, der Dual-Stack unterstützt, kann sowohl eine IPv4- als auch eine IPv6-Adresse haben. Bei der Kommunikation wird bevorzugt IPv6 genutzt, sofern beide Kommunikationspartner IPv6-fähig sind. Falls nicht, wird auf IPv4 zurückgegriffen.

IPv6-Adressen und Unterschiede zu IPv4

IPv6-Adressen sind 128 Bit lang und bestehen aus acht 16-Bit-Blöcken, die in hexadezimaler Schreibweise durch Doppelpunkte getrennt werden. Ein Beispiel für eine IPv6-Adresse: 2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334

Im Gegensatz dazu sind IPv4-Adressen nur 32 Bit lang und bestehen aus vier durch Punkte getrennten Dezimalzahlen, z. B.: 192.168.1.1

Hauptunterschiede zwischen IPv4 und IPv6:

  • Größerer Adressraum: Während IPv4 nur etwa 4,3 Milliarden Adressen ermöglicht, bietet IPv6 eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Adressen.
  • Kein NAT erforderlich: Durch die große Anzahl an IPv6-Adressen ist Network Address Translation (NAT) nicht mehr notwendig.
  • Vereinfachte Netzwerkkonfiguration: IPv6 bietet automatische Adresskonfiguration mittels Stateless Address Autoconfiguration (SLAAC).
  • Multicast statt Broadcast: IPv6 verwendet Multicast zur effizienten Verteilung von Datenpaketen, während IPv4 oft auf Broadcast setzt.

Raspberry Pi mit IPv6 verbinden

Um einen Raspberry Pi in ein IPv6-Netzwerk einzubinden, sind folgende Schritte notwendig:

1. **IPv6-Unterstützung prüfen:**

  Auf dem Raspberry Pi kann mit folgendem Befehl überprüft werden, ob IPv6 aktiviert ist:  
  ip -6 addr

2. **IPv6-Adresse manuell oder per DHCPv6 beziehen:**

  Falls der Router IPv6 per DHCPv6 vergibt, sollte der Raspberry Pi automatisch eine Adresse erhalten. Alternativ kann eine statische Adresse in /etc/network/interfaces oder mit netplan konfiguriert werden.

3. **Erreichbarkeit testen:**

  Vom Host kann die IPv6-Adresse des Raspberry Pi mit ping6 geprüft werden:  
  ping6 2001:db8::1

Zugriff per SSH über IPv6

Sobald der Raspberry Pi eine IPv6-Adresse hat, kann von einem Host darauf per SSH zugegriffen werden:

1. **SSH-Dienst starten (falls nicht aktiv):**

  sudo systemctl start ssh

2. **Verbindung zum Raspberry Pi mit IPv6 herstellen:**

  ssh pi@[2001:db8::1]

Falls die Verbindung fehlschlägt, sollte die Firewall-Einstellung überprüft werden, um sicherzustellen, dass Port 22 für IPv6 offen ist.

Zugriff auf die Raspberry Pi-Webseite per IPv6

Falls der Raspberry Pi einen Webserver (z. B. Apache oder Nginx) betreibt, kann er über IPv6 im Browser erreichbar gemacht werden:

1. **Webserver installieren (falls nicht vorhanden):**

  sudo apt install apache2

2. **IPv6-Adresse in den Konfigurationsdateien eintragen:**

  In der Datei /etc/apache2/ports.conf sicherstellen, dass Apache auf IPv6 hört: