Workshop 03: Unterschied zwischen den Versionen
| (9 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 21: | Zeile 21: | ||
<code>2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344</code> | <code>2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344</code> | ||
Weil IPv6 viel mehr Platz hat, gibt es '''eine fast unendlich | Weil IPv6 viel mehr Platz hat, gibt es '''eine fast unendlich grosse Anzahl an Adressen'''. Damit kann jedes Gerät eine eigene, eindeutige Adresse bekommen. | ||
--- | --- | ||
| Zeile 39: | Zeile 39: | ||
| '''Adressarten''' || Unicast, Broadcast, Multicast || Unicast, Multicast, Anycast | | '''Adressarten''' || Unicast, Broadcast, Multicast || Unicast, Multicast, Anycast | ||
|- | |- | ||
| '''Sicherheit''' || Optional || | | '''Sicherheit''' || Optional || Standardmässig integriert | ||
|- | |- | ||
| '''Konfiguration''' || Manuell oder DHCP || Automatisch (SLAAC) oder DHCPv6 | | '''Konfiguration''' || Manuell oder DHCP || Automatisch (SLAAC) oder DHCPv6 | ||
| Zeile 64: | Zeile 64: | ||
'''Bessere Sicherheit:''' | '''Bessere Sicherheit:''' | ||
Verschlüsselung (IPSec) ist in IPv6 | Verschlüsselung (IPSec) ist in IPv6 standardmässig enthalten. | ||
=== Fazit === | === Fazit === | ||
'''IPv4''' ist alt und die Adressen gehen aus. '''IPv6''' löst dieses Problem, indem es viel mehr Adressen bietet und Netzwerke effizienter macht. Deshalb wird '''IPv6''' in Zukunft das Internet dominieren. | '''IPv4''' ist alt und die Adressen gehen aus. '''IPv6''' löst dieses Problem, indem es viel mehr Adressen bietet und Netzwerke effizienter macht. Deshalb wird '''IPv6''' in Zukunft das Internet dominieren. | ||
[[File:ipv6.png|thumb|right|300px|Verbindung mit dem IPv6 Netzwerk]] | |||
== Raspberry Pi mit IPv6 verbinden == | == Raspberry Pi mit IPv6 verbinden == | ||
Um einen Raspberry Pi in ein IPv6-Netzwerk einzubinden, sind folgende Schritte notwendig: | Um einen Raspberry Pi in ein IPv6-Netzwerk einzubinden, sind folgende Schritte notwendig: | ||
1. | 1. '''IPv6-Unterstützung prüfen:''' | ||
Auf dem Raspberry Pi kann mit folgendem Befehl überprüft werden, ob IPv6 aktiviert ist: | Auf dem Raspberry Pi kann mit folgendem Befehl überprüft werden, ob IPv6 aktiviert ist: | ||
<code>ip -6 addr</code> | <code>ip -6 addr</code> | ||
2. | 2. '''IPv6-Adresse manuell oder per DHCPv6 beziehen:''' | ||
Falls der Router IPv6 per DHCPv6 vergibt, sollte der Raspberry Pi automatisch eine Adresse erhalten. Alternativ kann eine statische Adresse in <code>/etc/network/interfaces</code> oder mit <code>netplan</code> konfiguriert werden. | Falls der Router IPv6 per DHCPv6 vergibt, sollte der Raspberry Pi automatisch eine Adresse erhalten. Alternativ kann eine statische Adresse in <code>/etc/network/interfaces</code> oder mit <code>netplan</code> konfiguriert werden. | ||
3. | 3. '''Erreichbarkeit testen:''' | ||
Vom Host kann die IPv6-Adresse des Raspberry Pi mit <code>ping6</code> geprüft werden: | Vom Host kann die IPv6-Adresse des Raspberry Pi mit <code>ping6</code> geprüft werden: | ||
<code>ping6 2001:db8::1</code> | <code>ping6 2001:db8::1</code> | ||
[[File:putty.png|thumb|right|300px|Verbindungsfenster von Putty zu unserem Raspberry]] | |||
== Zugriff per SSH über IPv6 == | == Zugriff per SSH über IPv6 == | ||
Sobald der Raspberry Pi eine IPv6-Adresse hat, kann von einem Host darauf per SSH zugegriffen werden: | Sobald der Raspberry Pi eine IPv6-Adresse hat, kann von einem Host darauf per SSH zugegriffen werden: | ||
1. | 1. '''SSH-Dienst starten (falls nicht aktiv):''' | ||
<code>sudo systemctl start ssh</code> | <code>sudo systemctl start ssh</code> | ||
2. | 2. '''Verbindung zum Raspberry Pi mit IPv6 herstellen:''' | ||
<code>ssh pi@[2001:db8::1]</code> | <code>ssh pi@[2001:db8::1]</code> | ||
Falls die Verbindung fehlschlägt, sollte die Firewall-Einstellung überprüft werden, um sicherzustellen, dass Port 22 für IPv6 offen ist. | Falls die Verbindung fehlschlägt, sollte die Firewall-Einstellung überprüft werden, um sicherzustellen, dass Port 22 für IPv6 offen ist. | ||
[[File:nginx.png|thumb|right|400px| Ngix Webhostseite besucht]] | |||
== Zugriff auf die Raspberry Pi-Webseite per IPv6 == | == Zugriff auf die Raspberry Pi-Webseite per IPv6 == | ||
Falls der Raspberry Pi einen Webserver (z. B. Apache oder Nginx) betreibt, kann er über IPv6 im Browser erreichbar gemacht werden: | Falls der Raspberry Pi einen Webserver (z. B. Apache oder Nginx) betreibt, kann er über IPv6 im Browser erreichbar gemacht werden: | ||
1. | 1. '''Webserver installieren (falls nicht vorhanden):''' | ||
<code>sudo apt install apache2</code> | <code>sudo apt install apache2</code> | ||
2. | 2. '''IPv6-Adresse in den Konfigurationsdateien eintragen:''' | ||
In der Datei <code>/etc/apache2/ports.conf</code> sicherstellen, dass Apache auf IPv6 hört: | In der Datei <code>/etc/apache2/ports.conf</code> sicherstellen, dass Apache auf IPv6 hört: | ||
Aktuelle Version vom 17. März 2025, 15:40 Uhr
Dual-Stack Ansatz und IPv6
Das Dual-Stack-Verfahren ermöglicht die parallele Nutzung von IPv4 und IPv6 auf einem Gerät oder Netzwerk. Dies ist besonders wichtig während der Übergangsphase von IPv4 zu IPv6, da nicht alle Systeme und Netzwerke sofort auf das neue Protokoll umgestellt werden können.
Ein Gerät oder Server, der Dual-Stack unterstützt, kann sowohl eine IPv4- als auch eine IPv6-Adresse haben. Bei der Kommunikation wird bevorzugt IPv6 genutzt, sofern beide Kommunikationspartner IPv6-fähig sind. Falls nicht, wird auf IPv4 zurückgegriffen.
IPv6-Adressen und Unterschiede zu IPv4
Was ist IPv4?
IPv4 ist die ältere Version des Internet-Protokolls und wird seit den 1980er Jahren genutzt. Es benutzt 32-Bit-Adressen, die aus vier Zahlen bestehen, getrennt durch Punkte.
Beispiel: 192.168.1.1
Da jede Zahl zwischen 0 und 255 liegt, gibt es etwa 4,3 Milliarden Adressen. Das klingt viel, ist aber heute nicht mehr genug, weil immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden sind. Deshalb musste eine neue Lösung her: IPv6.
---
Was ist IPv6?
IPv6 ist die neuere Version des Internet-Protokolls. Es wurde entwickelt, um das Problem der zu wenigen IPv4-Adressen zu lösen. IPv6 nutzt 128-Bit-Adressen, die aus acht Teilen bestehen, getrennt durch Doppelpunkte.
Beispiel für eine IPv6-Adresse:
2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344
Weil IPv6 viel mehr Platz hat, gibt es eine fast unendlich grosse Anzahl an Adressen. Damit kann jedes Gerät eine eigene, eindeutige Adresse bekommen.
---
Unterschiede zwischen IPv4 und IPv6
| Eigenschaft | IPv4 | IPv6 |
|---|---|---|
| Länge | 32 Bit | 128 Bit |
| Beispiel | 192.168.1.1 | 2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334 |
| Anzahl Adressen | ~4,3 Milliarden | Fast unendlich |
| Adressarten | Unicast, Broadcast, Multicast | Unicast, Multicast, Anycast |
| Sicherheit | Optional | Standardmässig integriert |
| Konfiguration | Manuell oder DHCP | Automatisch (SLAAC) oder DHCPv6 |
| NAT nötig? | Ja, wegen Adressknappheit | Nein, genug Adressen für jedes Gerät |
---
Warum IPv6 besser ist
IPv6 bringt viele Verbesserungen:
Mehr Adressen: Jedes Gerät kann eine eigene Adresse haben.
Keine NAT mehr nötig: Geräte können direkt miteinander kommunizieren.
Schnellere und effizientere Netzwerke: IPv6 nutzt Multicast statt Broadcast, was weniger unnötigen Datenverkehr erzeugt.
Einfachere Konfiguration: Geräte können sich ihre eigene Adresse automatisch holen.
Bessere Sicherheit: Verschlüsselung (IPSec) ist in IPv6 standardmässig enthalten.
Fazit
IPv4 ist alt und die Adressen gehen aus. IPv6 löst dieses Problem, indem es viel mehr Adressen bietet und Netzwerke effizienter macht. Deshalb wird IPv6 in Zukunft das Internet dominieren.

Raspberry Pi mit IPv6 verbinden
Um einen Raspberry Pi in ein IPv6-Netzwerk einzubinden, sind folgende Schritte notwendig:
1. IPv6-Unterstützung prüfen:
Auf dem Raspberry Pi kann mit folgendem Befehl überprüft werden, ob IPv6 aktiviert ist:
ip -6 addr
2. IPv6-Adresse manuell oder per DHCPv6 beziehen:
Falls der Router IPv6 per DHCPv6 vergibt, sollte der Raspberry Pi automatisch eine Adresse erhalten. Alternativ kann eine statische Adresse in/etc/network/interfacesoder mitnetplankonfiguriert werden.
3. Erreichbarkeit testen:
Vom Host kann die IPv6-Adresse des Raspberry Pi mitping6geprüft werden:ping6 2001:db8::1

Zugriff per SSH über IPv6
Sobald der Raspberry Pi eine IPv6-Adresse hat, kann von einem Host darauf per SSH zugegriffen werden:
1. SSH-Dienst starten (falls nicht aktiv):
sudo systemctl start ssh
2. Verbindung zum Raspberry Pi mit IPv6 herstellen:
ssh pi@[2001:db8::1]
Falls die Verbindung fehlschlägt, sollte die Firewall-Einstellung überprüft werden, um sicherzustellen, dass Port 22 für IPv6 offen ist.

Zugriff auf die Raspberry Pi-Webseite per IPv6
Falls der Raspberry Pi einen Webserver (z. B. Apache oder Nginx) betreibt, kann er über IPv6 im Browser erreichbar gemacht werden:
1. Webserver installieren (falls nicht vorhanden):
sudo apt install apache2
2. IPv6-Adresse in den Konfigurationsdateien eintragen:
In der Datei /etc/apache2/ports.conf sicherstellen, dass Apache auf IPv6 hört: